Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Nürnberg e. V.

Bild: Screenshot der SimRa-App

Fünf Jahre SimRa in Nürnberg (Sicherheit im Radverkehr)

Seit März 2021 werden in Nürnberg mit Hilfe der SimRa-App Daten über gefährliche Situationen und Beinaheunfälle erfasst. Außerdem erfasst SimRa allgemeine Daten darüber, welche Straßen und Wege von Radfahrenden genutzt werden.

Was ist SimRa?

SimRa ist eine Smartphone-App die 2018 von der TU Berlin entwickelt wurde. Ziel war es die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern, indem Gefahrenstellen und Gefahrenursachen ermittelt werden, bevor sie als Unfällen in der Polizeistatistik auftauchen.

Zu diesem Zweck lassen sich mit der App Fahrten aufzeichnen und die dabei aufgetretenen Gefahrensituationen eintragen.

Das Erfassen der Orte, an denen Beinaheunfällen aufgetreten sind, wird bei SimRa durch eine KI unterstützt: SimRa speichert die Beschleunigungsdaten und kennzeichnet in einer Karte diejenigen Punkte, an denen vermutlich gefährliche Situationen aufgetreten sind.

Neben den Beinaheunfälle werden auch die gefahrenen Routen erfasst, um die Zahl der erfassten Gefahrensituation mit der Zahl der Fahrten in Relation zu setzen, bei denen es nicht zu kritischen Situationen gekommen ist.

Ein Nebeneffekt der Erfassung der Routen ist, dass sich (genügend Nutzende vorausgesetzt) ermitteln lässt, welche Wege für den Radverkehr relevant sind, welche gemieden werden und welche allgemein wenig Bedeutung haben.
Da in den SimRa-Daten auch Zeiten erfasst werden, lässt sich im Prinzip auch ermitteln, welche Routen sich zügig befahren lassen, bei welchen man viel Zeit an Ampeln verbringt oder durch schlechte Radinfrastruktur zu gemäßigtem Tempo gezwungen wird.

Gebe ich nicht private Informationen preis, wenn ich meine Fahrten aufzeichne?

Die Daten werden anonym und ohne eine Registrierung erfasst. Weiterhin wird die gespeicherte Route um 300 bis 500m gekürzt, um Start- und Zielorte zu verschleiern.
Wer den Wohnort des SimRa-Aktivisten kennt und genügend Energie investiert, der kann natürlich trotzdem versuchen zu ermitteln, von wo der SimRa-Aktivist kommt und wo er hinfährt. Aber alle, die ihr Leben auf Instagram oder Facebook ausbreiten oder alle ihre sportlichen Aktivitäten auf Strava hochladen, die brauchen sich in Sachen Datenschutz über SimRa wirklich keine Gedanken machen.
Und wenn du auf keinen Fall willst, dass die Welt von bestimmten Fahrten erfährt, dann zeichne sie einfach nicht auf.

Was hat Nürnberg davon, wenn die TU Berlin Gefahrensituationen erfasst?

Zum einen veröffentlicht das SimRa-Team mehr oder weniger regelmäßig Karten mit den von SimRa erfassten Gefahrensituationen, die der ADFC Nürnberg nutzen kann, um Gefahrenstellen zu identifizieren.

Zum anderen kann der ADFC Nürnberg die Rohdaten vom SimRa-Team anfordern, wenn er selber Auswertungen zu bestimmten Themen durchführen will.

So hat der ADFC 2025 zum Beispiel untersucht, welche kritische Situationen in Fahrradstraßen auftreten und ob in SimRa Gefahrensituationen im Zusammenhang mit Engstellen erfasst wurden.

Auch hat der ADFC allgemeine Statistiken erstellt und dabei beispielsweise festgestellt, dass 2025 die zahlenmäßig häufigste Ursache für Gefahrensituationen in zugeparkten Radwegen oder -streifen bestand.

Klingt super, wie kann ich mich beteiligen?

Der einfache Teil ist die App zu installieren, sie wird in den Stores von Android und iOS angeboten.

Etwas Disziplin erfordert es, im Alltag möglichst jede Fahrt aufzuzeichnen: Im Idealfall besteht  die Arbeit nur aus wenigen Klicks zum Starten und Beenden der Aufzeichnung.
Das Eintragen von aufgetretenen Gefahrensituationen ist etwas aufwändiger, aber die paar Minuten sollte es jedem wert sein, wenn Radfahren in Nürnberg dadurch sicherer gemacht werden kann.

Denk bei der Aufzeichnung daran, dass auch Fahrten ohne Gefahrensituationen wertvolle Informationen enthalten, und dass es nicht darum geht eine möglichst viele „Beinaheunfällen“ präsentieren zu können.

Bei Fragen wende dich gerne an kontakt [at] adfc-nuernberg.de
 

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https://nuernberg.adfc.de/artikel/fuenf-jahre-simra-in-nuernberg-sicherheit-im-radverkehr

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