
Hier soll die Bamberger Straße weiter durchgebaut werden Foto: A. Steindorff
Bamberger Straße nur mit Radwegen durchbauen!
Die Bamberger Straße soll jetzt durchgebaut werden. Dadurch wird der Autoverkehr zunehmen. Schöne Radrouten über heute relativ ruhige Straße werden gefährdet. An den Bau von Radwegen wurde bislang nicht gedacht, obwohl ein Gutachten dazu auffordert.
Wer im Nordwesten Nürnbergs wohnt oder wer im südlichen Knoblauchsland Freizeit-Touren macht, kennt vielleicht die Bamberger Straße: Ein Stück im Westen zwischen Raiffeisenstraße und Spargelfeldweg ziemlich schmal, dann eine Lücke bzw. nur ein äußerst holpriger landwirtschaftlicher Weg, auf dem „Durchfahrt verboten“ ist. Und dann östlich der Schnepfenreuther Hauptstraße plötzlich eine vierspurige Straße mit Radwegen. Infolge der Lücke gibt es relativ wenig Autoverkehr, auch Ausflugsradler fahren hier gern. Über Frauentaler Weg, Bamberger Straße, Spargelfeldweg, Ermannweg o.ä, ergeben sich interessante Radrouten, die im Fahrradstadtplan, der bis 2015 erschien, auch als Nebenrouten eingezeichnet waren (siehe auch unsere Meldung von 2022).
Durchbau nur zur Verlagerung von Autoverkehr?
Nun soll die Lücke geschlossen, die Straße also „durchgebaut“ werden. Damit sollen die Schleswiger Straße und die Ortsdurchfahrt in Schnepfenreuth entlastet werden. Wie bei jeder neuen Straße besteht hier die Gefahr, dass sie neuen Autoverkehr anzieht. Nach dem Verkehrsgutachten, auf das sich die Planungen beziehen, soll sich das in diesem Fall aber auf die gewollten „kleinräumigen“ Verlagerungen aus der Schleswiger Straße und aus Schnepfenreuth beschränken, weil die Bamberger Straße im Osten gegenüber heute verschmälert wird und Tempo-30-Zone wird. Hoffen wir, dass es stimmt. Aus dem Gutachten lässt sich allerdings erkennen, dass die Verfasser eine Lösung mit Kreisverkehren an der Raiffeisenstraße und an der Schnepfenreuther Hauptstraße vorgezogen hätten. Dass die Stadtratsmehrheit aus CSU und Grünen, die den Durchbau beschloss, sich einerseits auf das Gutachten beruft, ihm andererseits ohne öffentliche Begründung nicht folgt, ist etwas seltsam.
Mehr Autos auf der Strecke als bisher
Trotzdem wird der Autoverkehr auf den bisher eher ruhigen Straßen zunehmen, das sagt auch das Gutachten und das ist ja auch der Zweck der Maßnahme. In der westlichen Bamberger Straße soll sich der Kfz-Verkehr auf 3.900 Kfz am Tag mehr als verdoppeln, im östlichen Abschnitt sollen es 7.500 werden (plus 1.700). Für die Raiffeisenstraße im Bereich der Kriegsopfersiedlung werden dann sogar 9.800 Kfz am Tag erwartet (plus 1.300). Hinzu werden Steigerungen u.a. infolge der Neubautätigkeit in diesem Stadtgebiet kommen. Auf dem westlichen Teil und dem neu zu bauenden Teil der Bamberger Straße wird Tempo 50 gelten, genauso in der Raiffeisenstraße. Das sind keine Verhältnisse mehr, in denen sich das Radfahren im Mischverkehr mit Autos anbietet, erst recht nicht im Freizeitverkehr. Interessante Radrouten würden damit wegfallen.
Frauentaler Weg vergessen?
Leider macht das Gutachten keinerlei Aussagen zum Frauentaler Weg. Wie soll verhindert werden, dass eine Schleichwegroute für den Autoverkehr auf der bisherigen Radroute entsteht? Genauso fehlen irgendwelche Aussagen, wieviel Radverkehr bisher gezählt wurde und welche Auswirkungen auf den Radverkehr erwartet werden. Wie konnte es eine so auf das Auto fokussierte Betrachtungsweise in einer Stadt wie Nürnberg geben, die den Umweltverbund und damit auch den Radverkehr ernst nehmen und fördern will? Da sollte doch klar sein, dass Radverkehr immer gleich mitgedacht wird.
Gutachten fordert „Radverkehr mitdenken“
Erstaunlicher Weise erwähnt das Verkehrsgutachten diesen Mangel selbst: Ganz am Schluss, wo eigentlich eine Art Fazit zu erwarten wäre, heißt: es „Neben den hier .. durchgeführten Betrachtungen gilt es im Weiteren auch den Radverkehr mitzudenken. Die Stadt Nürnberg hat … entlang der Bamberger Straße eine Führung im Mischverkehr vorgesehen. Dieser Umstand wird durch die Öffnung der Bamberger Straße so nicht mehr uneingeschränkt gegeben sein.“ Wollten die Gutachter etwas zum Radverkehr vorschlagen, was sie nicht schreiben durften? Oder durften sie nichts zum Radverkehr planen, obwohl sie es wollten?
Bebauungsplanverfahren läuft
Trotzdem wurde auf Beschluss einer Stadtratsmehrheit aus CSU und Grünen nun einfach ein Bebauungsplanverfahren allein für den Durchbau der Straße eingeleitet, ohne dass vorher noch mehr über den Radverkehr nachgedacht wurde. Auch im Bebauungsplan-Entwurf wird nicht genauer darauf eingegangen, was mit uns Radfahrenden passieren soll. Es wird nur am Rande erwähnt, dass evtl. ein landwirtschaftlicher Weg parallel zum neu gebauten Straßenstück, aber außerhalb des Plangebiets für den Radverkehr frei gegeben werden könnte. Es findet sich kein Wort dazu, wem dieser Weg gehört oder in welchem Zustand er ist. Wir vermuten, dass es der heute vorhandene Holperweg sein soll, der weder voll befestigt noch asphaltiert ist. Für die Bamberger Straße westlich des Spargelfeldweges wird gar nichts gesagt.
Es ist uns unverständlich, wie Parteien, die sich deutlich zur Berechtigung und zur Förderung des Radverkehrs bekennen, einfach so zum Bebauungsplanverfahren für die Straße übergehen konnten, ohne zuvor der Aufforderung des Gutachtens zu folgen, den „Radverkehr mitzudenken“.
Vertröstet uns nicht auf das „weitere Verfahren“!
Wir wollen uns nicht „auf das weitere Verfahren“ vertrösten lassen. Denn was passiert, wenn sich dann herausstellt, dass das Anlegen von parallelen Radwegen z.B. wegen geschützter Vogel- oder Käferarten, der Versiegelungsbilanz, der Eigentumsverhältnisse, der Kosten oder was auch immer nicht in Frage kommt? Dann würde die Straße einfach gebaut, der Autoverkehr nimmt zu, Radrouten fallen faktisch weg und die Raiffeisenstraße wird endgültig zur gefährlichen Zone. Der Durchbau würde also zulasten des Radverkehrs erfolgen. Das passt nicht zu einer Stadt, die fahrradfreundlich sein will, und auch nicht zur Programmatik der Parteien, die diese Planung vorantreiben. Wenn der Durchbau der Bamberger Straße für den Autoverkehr erfolgt, dann muss es auch neue Radwege geben.
Der ADFC Nürnberg wird seine Bedenken im Bebauungsplanverfahren vortragen, das noch bis zum 20. Februar 2026 läuft. Das allein dürfte aber nicht reichen, denn in Bebauungsplanverfahren werden unsere Anliegen immer mal wieder nur formal abgearbeitet, nicht wirklich inhaltlich gewürdigt. Wir werden uns auch an die Parteien wenden in der Hoffnung, dass sie noch zu Besinnung kommen.
Albrecht Steindorff








