
Bild: Warnwesten erhöhen die Wahrnehmbarkeit von Radfahrenden, ersetzen aber nicht die Aufmerksamkeit aller Menschen im Straßenverkehr (Bild ist KI-generiert)
Warnwesten werden Pflicht und alle Autos weiß
Nein, soweit ist es nicht. Weder gibt es eine Warnwestenpflicht für Radfahrende, noch eine Vorschrift, dass Autos weiß sein müssen.
Warnwesten werden Pflicht und alle Autos weiß
Nein, soweit ist es nicht. Es gibt keine Gesetzesinitiative, höchstens mal einen Aprilscherz über eine Warnwestenpflicht für Radfahrende. Landauf und landab jedoch klingt es: Wer mit dem Rad fahren wolle, solle doch bitte eine Warnweste tragen. Autofahrende können dann die Radfahrenden früher sehen. Für zu Fuß Gehende wird das noch nicht so deutlich empfohlen wie für Radfahrende, aber jedes Jahr zu Schulbeginn werden Blinkis, Warnwesten oder -streifen an die i-Dötzchen verteilt.
Und es ist keine Frage: Radfahrende und auch zu Fuß Gehende sollten nicht getarnt am Straßenverkehr teilnehmen. Warnwesten oder andere reflektierende Gegenstände tragen zur Sichtbarkeit bei. Doch auch hier gibt es Unterschiede in der Qualität. Die Warnwesten sollten der Norm DIN EN 471:2003+A1:2007 oder der neueren Norm EN ISO 20471:2013 entsprechen. In jedem Fall lohnt sich eine einfache Prüfung: Schon im Licht eines Mobiltelefons sollten die Streifen der Warnweste reflektieren. Wirken sie grau und fahl, kann es sein, dass diese Warnwesten nicht wirklich die Sichtbarkeit erhöhen. Inzwischen gibt es auch Kleidung und Taschen, die reflektieren sollen. Doch auch hier ist nicht immer sichergestellt, dass diese unauffälligen Accessoires genügend reflektieren.
Mehr Sicherheit durch mehr Sichtbarkeit? Zumindest den aufmerksamen Autofahrenden wird es helfen. Aber es gibt auch die andere Sicht: Schon am 17. September 2015 sendete der Deutschlandfunk: „Warnwesten erhöhen wohl die Sichtbarkeit der Radfahrer, aber dass man damit ein geringeres Unfallrisiko hätte, oder dass dadurch die Unfälle weniger würden,“ würde ich nicht erwarten, sagt Verkehrspsychologe Mark Vollrath von der Technischen Universität Braunschweig und erläutert: „Ganz viele Unfälle passieren auch deswegen, weil der Fahrer in die falsche Richtung schaut. Und wenn man in die falsche Richtung schaut, dann hilft auch ein gut sichtbarer Fahrradfahrer nicht.“
Mit guter Sichtbarkeit erhöhen Radfahrende ihre Wahrnehmbarkeit im Straßenverkehr. Ob das nur eine Warnweste oder viel Licht am Fahrrad ist, sei einmal dahingestellt. Gegen unaufmerksame Autofahrende hilft das nicht.
Und was ist mit den weißen Autos?
Wie oft berichten Nachrichtenportale im Internet und Zeitungen: Der Radfahrer fuhr plötzlich auf die Straße, der Autofahrer konnte nicht mehr bremsen. Meistens sind die Folgen gravierend. Und häufig steht dort schon im Polizeibericht der Schluss: Der Radfahrer hat das Auto übersehen.
Es ist schon lange bekannt, dass weiße Autos oder generell Kraftfahrzeuge in hellen Farben besser gesehen werden als Kfz in Grau, Schwarz, Dunkelblau oder Braun. Ein weiterer Effekt kommt noch hinzu: Ein weißes Auto wirkt größer als ein schwarzes, das weiße Auto ist also „näher“ als das schwarze. Gäbe es mit weißen oder hellen Autos da nicht auch einen Ansatz, die Unfallhäufigkeit zu senken?
Die Universität von Singapur kam vor Jahren beim Untersuchen von Taxiunfällen zu dem Schluss, dass die Unfallwahrscheinlichkeit bei gelben Taxis 9 % niedriger ist als bei blauen. Einen Einfluss der Fahrer schlossen sie aus. Siegfried Brockmann, damals Leiter der Unfallforschung der Versicherer, sah keinen belastbaren Zusammenhang zwischen der Autofarbe und der Unfallhäufigkeit. Daten über Autofarbe und Unfälle gibt es in Deutschland nicht, das wird in der Statistik nicht erfasst. Aber eine englische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass helle Autos weniger Unfälle haben.
Und nein, es wird nirgends gefordert, dass alle Autos weiß sein müssen!
Eine Frage bleibt
Warum wird immer verlangt, dass nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer helle Kleidung tragen sollen, aber nicht auch gefordert, dass Autos hell sein müssen? Für Radfahrende und zu Fuß Gehende gilt jedoch: Sichtbarkeit ist gut, ersetzt aber nicht die eigene Aufmerksamkeit.
Und es bleibt die Bitte an alle Autofahrenden: Fahrt aufmerksam und haltet euch an das Sichtfahrgebot.








