Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Nürnberg e. V.

Foto des südlichen Plärrer in Nürnberg mit dichtem Autoverkehr und fehlender Fahrradinfrastruktur

Radweglücke an der Plärrer Südseite. Auch hier wurde „der Pausenknopf“ gedrückt

Beim Radverkehr immer besonders sparen?

Die Haushaltssperre bei der Stadt Nürnberg betrifft den Radverkehr weit mehr als Kfz-Verkehr und ÖPNV. Beim Plärrer-Umbau und „einigen Fahrradwegen“ wurde „der Pausenknopf“ gedrückt.

Wenn das Geld alle ist und Nürnberg merkt, dass es eine arme Stadt ist, wird auch beim Radverkehr gespart. So weit, so klar. Aber auch diesmal, bei der am 29.07.26 verhängten Haushaltssperre ist der Radverkehr besonders betroffen, deutlich mehr als z.B. der Ausbau von Kfz-Straßen (z.B. Frankenschnellweg) oder der ÖPNV (Straßenbahn-Projekte). Der Stadtkämmerer selbst, nannte in den NN am 17.08.26 nur zwei Punkte, bei denen man „den Pausenknopf“ gedrückt habe, aber beide treffen auch oder ausschließlich den Radverkehr: Zum einen den Umbau des Plärrers: dort gibt es u.a. an der Südseite (zwischen Rothenburger Straße und Gostenhofer Hauptstraße) eine klaffende Lücke im Radverkehrsnetz. Die Qualität der Radwege an der Nordostecke und auf der Westseite ist einfach mangelhaft. Geplant sind rundherum Zweirichtungsradwege von mindestens 2,50 m Breite. Als zweiten Punkt nannte der Kämmerer „einige Fahrradwege“; welche das sind, wissen wir bislang nicht, eine Anfrage beim Stadtkämmerer wurde noch nicht beantwortet. 

Am Radverkehr wurde schon kräftig gespart: durch Verschieben

Dabei wurde in den vergangenen fünf Jahren schon kräftig beim Radverkehr gespart. Zwar nicht durch Streichungen, aber indem der Radverkehrs-Etat (von 4,5 Mio € in 2021 auf knapp 10 Mio € pro Jahr ab 2023) zu einem hohen Anteil nicht genutzt, also nicht ausgegeben wurde. Nach Berechnungen des ADFC waren bis Ende 2025 17 Mio € noch nicht einmal verplant, für weitere 19 Mio € standen zwar Projekte im Bauprogramm, aber die waren bis 2025 noch nicht umgesetzt. Zwar hieß es immer, die nicht ausgegebenen Mittel seien für den Radverkehr nicht verloren, sie würden nur in späteren Jahren ausgegeben. Wie weit diese Zusage zu Zeiten von Haushaltssperre und Sparprogramm noch trägt, wissen wir ebenfalls noch nicht. 

Außerdem sind die in früheren Jahren nicht ausgegebenen Beträge inzwischen deutlich weniger wert. Die Inflation im Bereich Straßenbau betrug seit 2020 über 40% laut DESTATIS. Bei Bauprojekten wie dem Frankenschnellwerg wurde dies stets thematisiert, beim Radwegebau wurde dieses Thema von Seiten der Stadtverwaltung bislang nicht adressiert.

Kein zielgenauer Einsatz der Etatmittel

Und wenn Etatmittel genutzt wurden, wurden sie nicht nur gezielt für den Bau von Radverkehrsanlagen eingesetzt, sondern in großzügigster Weise für viele Begleitmaßnahmen. Wohin dies führt, wurde z. B. beim Umbau der Zeltnerstraße zwischen Frauentorgraben und Sandstraße deutlich: für 120 m Radstreifen (ohne besondere Linksabbiegemöglichkeiten) gab der Radverkehrsetat 1,3 Mio €.

Es ist nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass der Radverkehr bei Sparrunden besonders betroffen ist: Bei der Haushaltskrise 2009 wurde z.B. die Radwegbaupauschale (wie alle Pauschalen) für ein Jahr ganz auf Null gesetzt. Am Zustand der Nürnberger Radverkehrsinfrastruktur macht sich dies bemerkbar. Das Problem ist, dass die Schaffung eines lückenlosen Radverkehrsnetzes in Nürnberg nicht als ein einheitliches großes Projekt angesehen wird, das kontinuierlich vorangetrieben werden muss. Sondern jedes einzelne relativ kleine Stück wird für sich als eigenes Bauprojekt betrachtet, zu dem man dann sagen kann: dies Projekt ist noch gar nicht gestartet, das können wir leicht verschieben (oder streichen). 

Ohne Radverkehr funktioniert der Umweltverbund nicht. Und ohne Radverkehr, also nur mit Kfz und ÖPNV funktioniert der gesamte Verkehr in Nürnberg nicht. Das muss auch bei der städtischen Finanzpolitik mehr berücksichtigt werden.

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