Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Nürnberg e. V.

20,8 Mio € für den Nürnberger Radverkehr futsch! Kommt es noch schlimmer?

Ca. 20,8 Mio € aus den Rad-Etats der Stadt Nürnberg wurden in den letzten Jahren von SÖR nicht zugunsten des Radverkehrs genutzt, teilweise aus politischen Gründen.

Bleibt der neue Radweg vor The Q noch jahrelang ohne Anschluss? © Albrecht Steindorff

Ca. 20,8 Mio € aus den sog. Radwegebau-Etats der Stadt Nürnberg wurden in den letzten 10 Jahren von SÖR nicht für Baumaßnahmen zugunsten des Radverkehrs genutzt und sind auch nicht mehr für laufende Baumaßnahmen vorgesehen, teilweise aus politischen Gründen. Das sind 34 % der bereit gestellten 61,23 Mio €. Wie von uns befürchtet, gelten wegen der Haushaltskrise die früheren Vertröstungen nicht mehr, dass diese Mittel auch noch später ausgegeben werden könnten, sie sind futsch!

Die Aussichten für 2027

Was deutet sich für 2027 an? Die Gedankenspiele mit einem vierjährigen Moratorium beim Radwegebau, vor denen wir am 11. Oktober 2026 gewarnt hatten, wurden nicht weiterverfolgt und sind komplett vom Tisch. Und der Plärrer wird bis 2030 vollständig mit Zweirichtungsradwegen rundum ausgebaut. Damit wird nicht nur die Radweglücke zwischen Rothenburger Straße und Gostenhofer Hauptstraße geschlossen, sondern auch die Qualität der Radwege an den drei anderen Seiten des Platzes deutlich verbessert. Das sind die guten Nachrichten. Trotzdem war es nicht unbegründete Panikmache, als wir vor einer vierjährigen Unterbrechung beim Radwegbau warnten; warum erklären wir hier.

Die jetzt (Oktober 2026) schon laufenden Bauarbeiten an Fahrradstraßen, die bis Ende des Jahres nicht fertig werden, sollen 2027 noch zu Ende geführt werden. Das betrifft die Strecke von der Strindbergstr. bis zur Rehhofstraße in Laufamholz, die Felsenstraße in Gebersdorf, die Strauchstraße samt Harssdörfer Platz in der Südstadt, den Abschnitt von der Michaelstr. bis zur Äußeren Bucher Straße in Thon sowie das Anfangsstück der Radschnellverbindung Richtung Erlangen in der Nordstadt von der Friedrichstraße bis zur Pilotystraße. 

Wird etwas Neues angefangen?

Aber was soll 2027 wirklich neues begonnen werden? Im Moment (Ende Oktober 2026) deutet sich an, dass lediglich zwei Fahrradstraßen neu angegangen werden und die Kreuzung Leipziger Platz / Kieslingstraße vom Zweirichtungsradweg zum eher ungeliebten „Radstreifen in Mittellage“ umgebaut wird.

Das wäre doch ziemlich nah an einem Null-Programm, auf jeden Fall aber ein überproportionaler Sparbeitrag des Radverkehrs. Denn Großprojekte wie z. B. der Abschnitt West des Frankenschnellweg-Ausbaus, der U-Bahnbau nach Gebersdorf, die neue Tramstraße in der Minervastraße, der Opernhaus-Neubau, das Volksbad und das neue Stadion laufen weiter bzw. werden weiter vorangetrieben. 

Zu einem solchen überproportionalen Sparbeitrag besteht kein Anlass, nachdem der Radverkehr durch den Verfall der Restmittel aus früheren Jahren schon unfreiwillig einen massiven Sparbeitrag erbracht hat. 

Wir wollen mehr!

Der ADFC wirbt daher für die Aufnahme weiterer Strecken in das Bauprogramm für 2027 bis 2030. An erster Stelle stehen dabei

  •  der Lückenschluss am Westring (Maximilianstraße)
  • die Strecke von Fischbach bis Birnthon an der LAU 13 (gemeinsam mit dem Landkreis)
  • und eine provisorische Lösung an der Rothenburger Straße von der Oberen Kanalstraße bis zur Eisenbahnbrücke (auf der Westseite). 

Auf unserer Vorschlagsliste folgen dann u. a.

  • die Abschnitte der Fürther Straße westlich und östlich von The Q
  • die Radroute 16 mit den Fahrradstraßen Tunnelstraße, Gugelstraße und Heynestraße sowie den Radstreifen an der Dianastr. nördlich der Brehmstraße
  • die Fahrradstraße Schloßstraße
  • der Ausbau der Bibertbahntrasse zum Radweg zwischen Felsenstraße und dem neuen U-Bahnhof Gebersdorf

sowie 10 weitere Maßnahmen. Unser ganzes Schreiben findet Ihr hier.

Woran muss sonst noch gedacht werden?

Wichtig ist uns, dass es auch weiterhin eine Pauschale für Kleinmaßnahmen gibt sowie Mittel für die Oberflächensanierung älterer Radwege, die verschlissen, aber grundsätzlich noch geeignet sind.

Daneben fordern wir, dass bei Oberflächensanierungen von Straßen bereits beschlossene Pläne ausdrücklich berücksichtigt werden. Radverkehrsinfrastruktur nach den veralteten Standards der 70er und 80er Jahre darf nicht einfach erhalten oder ersatzlos beseitigt werden, wie es in diesem Jahr am Nordwestring geschehen wird.

Dazu fordern wir, dass das Radweg-Planungsprogramm vorsorglich ausgeweitet wird, damit auf Pläne „aus der Schublade“ zurückgegriffen werden kann, wenn es unerwartet zu Bauarbeiten in Straßenabschnitten mit Bedeutung für den Radverkehr kommt. Insbesondere sollten endlich die Planungen für den Altstadtring (RVR 1) aufgenommen werden. 

Albrecht Steindorff

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Bleibt der neue Radweg vor The Q noch jahrelang ohne Anschluss?

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